Wie Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte KI-Systeme effektiv steuern
Generative KI hält Einzug in Kanzleien – doch der entscheidende Faktor für den Praxisnutzen ist nicht das Tool selbst, sondern die Fähigkeit, es richtig anzusteuern. Wer lernt, präzise zu prompten, erschließt sich einen digitalen Assistenten, der Texte liest, zusammenfasst, vergleicht und entwirft – und das in einem Bruchteil der Zeit, die ein Mensch dafür benötigen würde.
Was ist Prompting – und warum ist es so wichtig?
Generative KI-Systeme sind sprachbasiert: Sie werden ausschließlich über Text gesteuert, und die Qualität ihrer Ausgabe hängt direkt von der Qualität der Eingabe ab. Ein unpräziser Prompt liefert eine unpräzise Antwort – ein gut strukturierter Prompt hingegen kann in Sekunden ein Ergebnis erzeugen, das sonst eine Stunde Recherchearbeit erfordern würde.
Ein nützliches mentales Bild für die Praxis: Das KI-System verhält sich wie eine Konzipientin bzw ein Konzipient mit außergewöhnlichen Fähigkeiten – sie oder er kann tausendmal schneller lesen, schreiben und vergleichen als ein Mensch. Was jedoch nicht mitgebracht wird, ist juristisches Kontextwissen, Klientenkenntnis oder ein Gespür für die konkreten Anforderungen des Einzelfalls. All das muss mitgegeben werden – über den Prompt.
Das PHIFA-Schema als Grundgerüst
Für einen wirksamen juristischen Prompt hat sich in der Praxis ein fünfteiliges Schema bewährt:
P – Persona: Welche Rolle soll das KI-System einnehmen? Eine klare Rollenzuweisung – etwa „Du bist ein erfahrener Mietrechtsjurist" – verbessert die Qualität der Antwort erheblich, weil das System seinen Sprachstil und seine Schwerpunkte entsprechend ausrichtet.
H – Hintergrund: Was ist der sachliche Kontext? Wofür wird das Ergebnis benötigt – für die eigene Einschätzung, für ein Klientenschreiben oder für einen Schriftsatz? Je mehr relevanter Kontext mitgegeben wird, desto passgenauer die Antwort.
I – Instruktion: Was soll konkret getan werden? Statt „Was ist zu beachten?" lieber: „Erstelle eine strukturierte Checkliste der Punkte, die für eine Mietvertragsübernahme nach österreichischem Recht zu prüfen sind."
F – Format: Wie soll die Antwort aussehen – Fließtext, Stichpunkte, Tabelle, Vertragsentwurf? Auch negative Vorgaben sind hilfreich: „Ohne lange Einleitung, komm direkt zum Punkt."
A – Abschlussanforderung: Woran erkennt man, dass das Ergebnis verwendbar ist? Wer das definiert – etwa „so formuliert, dass ich es direkt an die Klientin weiterleiten kann" – erhält deutlich zielgerichtetere Ergebnisse.
Der Unterschied zwischen einem knappen, vagen Prompt und einem strukturierten zeigt sich unmittelbar in der Praxis: Während „Was ist bei einer Mietvertragsübernahme zu beachten?" eine generische Übersicht liefert, erzeugt ein kontextualisierter Prompt mit klarer Rollenzuweisung, Sachverhaltsschilderung und Formatvorgabe eine strukturierte Checkliste mit praxisrelevanten Prüfpunkten – inklusive Hinweisen auf Haftungsfragen, Kautionsregelungen und formelle Anforderungen.
Praktische Hinweise für den Kanzleialltag
Wer juristische KI-Tools einsetzt, sollte stets die relevanten Rechtsquellen aktivieren und die gewünschte Jurisdiktion explizit angeben – auch wenn das selbstverständlich erscheint. Beides reduziert das Risiko sogenannter „Halluzinationen", also inhaltlich falscher, aber überzeugend formulierter Antworten. Gerade bei der Recherche nach Gerichtsentscheidungen ist Vorsicht geboten: KI-Systeme können Entscheidungen erfinden, die es nicht gibt. Spezialisierte juristische Tools bieten hier Verifizierungsfunktionen, die zumindest die Existenz zitierter Urteile bestätigen.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, bewährte Prompts in einer persönlichen Bibliothek zu speichern. Wiederkehrende Aufgaben – Vertragsprüfungen, Klientenmails, Zusammenfassungen – müssen so nicht jedes Mal neu formuliert werden. Auch das Anlegen einer kanzleieigenen Klauselbibliothek, die dem KI-System als Referenz zur Verfügung gestellt wird, zahlt sich schnell aus: Das System arbeitet dann nicht mit allgemeinen Mustern, sondern mit dem kanzleispezifischen Standard.
Ein weiterer Tipp aus der Praxis: Wer unsicher ist, wie ein guter Prompt für eine komplexe Aufgabe aussehen soll, kann das KI-System selbst darum bitten, einen passenden Prompt vorzuschlagen. Diese Technik – die KI den Prompt für die KI schreiben zu lassen – spart Zeit und führt oft zu überraschend präzisen Ergebnissen.
Neue Realität: Klientinnen und Klienten kommen informierter
Ein Trend, der Kanzleien zunehmend beschäftigt: Klientinnen und Klienten erscheinen in Erstgesprächen mit bereits KI-generierten Dokumenten – Vertragsentwürfen, Checklisten, rechtlichen Einschätzungen. Das verändert die Beratungssituation, macht juristische Expertise aber nicht überflüssig – im Gegenteil. Die Aufgabe der Rechtsanwaltschaft verlagert sich: Statt Inhalte von Grund auf zu erstellen, geht es zunehmend darum, vorhandene Entwürfe zu prüfen, einzuordnen und zu verbessern. Auch hierfür ist Prompting die entscheidende Kompetenz.
Fazit
Prompting ist keine technische Spezialfertigkeit, sondern eine Kommunikationskompetenz – und damit eine, die Juristinnen und Juristen naturgemäß mitbringen. Wer die Grundregeln verinnerlicht, kann KI-Systeme gezielt einsetzen: für Recherche, Dokumentenanalyse, Vertragsentwürfe und Klientenkommunikation. Der Einstieg lohnt sich – und die Lernkurve ist flacher, als viele erwarten.
Michael Grupp
ausgebildeter Rechtsanwalt und CEO der BRYTER GmbH
ÖRAK-Kooperation mit BRYTER
Im Rahmen der Zusammenarbeit erhalten österreichische Rechtsanwaltskanzleien besondere Konditionen:
- Dauerhaft vergünstigter Zugang zu BEAMON AI (-20%)
- Kostenlose Testphase von sechs Monaten, um den KI-Assistenten unverbindlich im Kanzleialltag zu erproben
- Begleitende Live-Demos und Veranstaltungen, bei denen BEAMON AI vorgestellt und konkrete Anwendungsfälle demonstriert werden
- Spezielle Inhalte des ÖRAK wie Vorlagen und Muster-Workflows
Für weitere Informationen und Registrierung klicken Sie hier.