ÖRAK

Anwaltstag 2026 in Lech

Der Anwaltstag 2026 der österreichischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte – die jährliche Fachtagung der österreichischen Rechtsanwaltschaft – fand von 17. bis 19.9.2026 in Lech zum Thema "Strafrechtliche Sanktionierung im 21. Jahrhundert – Stand und Perspektiven" statt. Für die Festveranstaltung, zu der über 260 Gäste geladen waren, wurde das Veranstaltungszentrum „Lechwelten“ ausgewählt, das inmitten der atemberaubenden Berglandschaft auf knapp 1.500hm gelegen ist.

ÖRAK-Präsident Dr. Armenak Utudjian durfte unter den Anwesenden ua OGH-Präsident Univ.-Prof. Dr. Georg Kodek, LL.M., den Präsidenten des Vorarlberger Landtags Mag. Harald Sonderegger, Regierungsrat des Fürstentums Liechtenstein (Justizminister) Dr. Emanuel Schädler und den Bürgermeister der Gemeinde Lech Gerhard Lucian begrüßen. Bundeskanzler Dr. Christian Stocker übersendete eine Grußbotschaft, in der er auf rechtsstaatliche Grundsätze einging. Über den Live-Stream waren weitere 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei.

Bereits am Vortag wurde in der ÖRAK-Vertreterversammlung das Präsidium des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags gewählt. Dr.in Marcella Prunbauer-Glaserbeendete ihre verdienstvolle und erfolgreiche Funktionärskarriere im ÖRAK nach 17-jähriger Tätigkeit als Vizepräsidentin. Dr. Armenak Utudjian wurde für eine weitere Funktionsperiode von drei Jahren zum Präsidenten des ÖRAK gewählt. Mag.a Petra Cernochova und MMag. Dr. Rupert Manhart, LL.M. wurden ebenfalls in ihrem Amt bestätigt. Als neue Vizepräsidentin wurde Dr.in Daniela Schiesl-Müller von den Delegierten gewählt.

Weiters wurden Änderungen

  • der Richtlinien für die Ausübung des Rechtsanwaltsberufs (RL-BA 2015),
  • der Satzung Teil A 2018 und der Satzung Teil B 2018
  • sowie das vorläufige Statut der Versorgungseinrichtung der österreichischen Rechtsanwaltschaft (VÖR)

beschlossen.

Zum strafrechtlichen Generalthema des Anwaltstags 2026 leitete der Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Vorarlberg MMMag. Dr. Franz-Josef Giesinger ein und stellte in Aussicht, dass die Rechtsanwaltschaft bereit ist, sich konstruktiv in Reformen einzubringen.

ÖRAK-Präsident Utudjian eröffnete den Anwaltstag offiziell mit seiner Festrede, in der er auf aktuelle justizpolitische Themen einging. Einmal mehr kritisierte er die ausartenden Höhen der Gerichtsgebühren, die nicht nur mit 1.8.2026 eine weitere Wertanpassung erfahren haben, sondern mit 1.10.2026 auch noch um eine „Urteilsausfertigungsgebühr“ erweitert werden – eine Leistung, die grundsätzlich aber bereits mit der erstinstanzlichen Pauschalgebühr abgedeckt sein sollte. Da die Einnahmen der Justiz aber nicht einmal der Justiz zu Gute kommen, sondern ins allgemeine Staatsbudget fließen, brachte er Verständnis für die von der Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter angekündigte Aktionswoche für den Rechtsstaat auf, die für Ende Oktober angesetzt ist.

Erneute Kritik gab es auch an der Messenger-Überwachung, die auf viel zu wenig Gegenwehr stößt, obwohl der Staat tief in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger eindringt und diese quasi unter Generalverdacht stellt. Weiters forderte Utudjian die Verankerung der rechtsanwaltlichen Unabhängigkeit und Verschwiegenheit in der Verfassung.

Aufgrund der massiven Kritik von zahlreichen Expertinnen und Experten am Gesetzesentwurf zur Einrichtung einer Bundesstaatsanwaltschaft, plädierte Utudjian für die Aussetzung der bisher erfolglosen Bemühungen und regte an, stattdessen die frei werdenden Kräfte zu bündeln, um Maßnahmen zur Beschleunigung strafrechtlicher Ermittlungsverfahren zu diskutieren und umzusetzen. Außerdem sollte die Rechtsanwaltschaft als wichtiger Player des Rechtsstaats auch in die Aufgabenkritik Justiz miteingebunden werden.

Danach sprach Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller, Psychiater und Psychotherapeut sowie psychiatrischer Gerichtsgutachter, in seinem Festvortrag über Aspekte der strafrechtlichen Verurteilung aus gesellschaftlicher und psychologischer Sicht und stellte Überlegungen an, welche zusätzlichen präventiven Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten getroffen werden können.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von ÖRAK-Vizepräsident MMag. Dr. Rupert Manhart, gingen die Diskutantinnen und Diskutanten ua auf die Situation der Überbelegung von Justizanstalten ein. Zeitgleich fand eine Informationsveranstaltung zum Pensionssystem der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte und der geplanten Zusammenführung, über die heuer in den Plenarversammlungen abgestimmt werden soll, statt.

Am Nachmittag fanden parallel die Kompaktseminare zum Zivilrecht und Strafrecht statt, die wie auch die Vormittags-Veranstaltung als Ausbildungsveranstaltungen im Umfang jeweils eines Halbtags approbiert wurden.

Den lockeren Ausklang fand der Anwaltstag bei einem Dinner & Clubbing in den Lechwelten.

Den Schlusspunkt des Anwaltstags bildete wie immer ein Prüfungsfrühstück für Rechtsanwaltsanwärterinnen und Rechtsanwaltsanwärter am Samstag-Vormittag, das dem Berufsnachwuchs einen Rahmen zum Austausch und zur Vorbereitung auf die Rechtsanwaltsprüfung bot.

Der ÖRAK und die Rechtsanwaltskammer Vorarlberg bedanken sich bei folgenden Sponsoren des Anwaltstags für ihre Unterstützung:

Fotos: evarauch photography